ABC der Windenergie

 

AVIFAUNISTISCHEN GUTACHTEN
Für die Genehmigung von Windenergieanlagen wird seitens der Genehmigungsbehörde ein avifaunistisches Gutachten gefordert. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass besonders Vögel und Fledermäuse durch Windenergieanlagen beeinträchtigt werden können. Um das Risiko für am Standort vorkommende planungsrelevante und kollisionsgefährdete Arten zu analysieren und zu vermeiden bzw. zu minimieren, wird ein avifaunistisches Fachgutachten erstellt. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit beträgt ein Jahr.

 

ABSTÄNDE
Die Bundesländer haben häufig eigene pauschale Abstandskriterien zu sensiblen Flächen wie bspw. Wohnbebauung oder Naturschutzgebieten usw. festgelegt. Diese sind in den jeweiligen Festsetzungen der regionalen Planungsträger, Windenergieerlässen oder Handlungsempfehlungen der Landesministerien zu finden.

 

ABSTANDSFLÄCHE
Als Abstandsfläche oder Baulastradius bezeichnet man im deutschen Bauordnungsrecht die Fläche vor den Außenwänden von Gebäuden, die mit wenigen Ausnahmen von der Bebauung freizuhalten ist. Wird vom Nachbarn eine so genannte Abstandsflächen-Übernahmeerklärung oder auch Abstands-Baulast gewährt, so dürfen Bauwerke den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand zu Nachbargrundstücken unterschreiten. Die Übernahme von Abstandsflächen auf ein Grundstück wird ggf. im Baulastenverzeichnis vermerkt. Das Bauordnungsrecht liegt in der Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer. Alle Länder haben dementsprechend eigene Landesbauordnungen erlassen, sodass die Detailregelungen von Bundesland zu Bundesland variieren können.

 

EINGRIFFSREGELUNG bzw. AUSGLEICHS- UND ERSATZMAßNAHMEN
Die Eingriffsregelung (auch Eingriffs-Ausgleichs-Regelung) ist das Instrument des Naturschutzrechts, womit negative Folgen von Eingriffen in Natur und Landschaft (Beeinträchtigungen) vermieden und minimiert werden sollen. Des Weiteren sollen nicht vermeidbare Eingriffe durch Maßnahmen des Naturschutzes ausgeglichen werden. Die sich aus dem Eingriff ergebenden Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft sind funktional auszugleichen oder es sind gleichwertige andere Aufwertungen vorzunehmen. Bei dem Bau von Windenergieanlagen und der notwendigen Infrastruktur entsteht ein dauerhafter und temporärer Eingriff in die Natur und Landschaft, welcher ausgeglichen bzw. ersetzt werden muss. Dieser Eingriff ist von vornherein so gering wie möglich zu halten.

 

BÜRGERWINDPARK
Bürgerwindparks werden idealerweise in enger Zusammenarbeit zwischen Initiatoren, den beteiligten Gemeinden und der anwohnenden Bevölkerung verwirklicht. Niedrige Mindestbeteiligungssummen für Anwohner sowie eine bevorzugte Berücksichtigung von Anwohnern bei der Zuteilung von Kommanditanteilen sorgen für hohe Akzeptanz bei den Bürgern vor Ort. (Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.)

 

DISKOEFFEKT
Der Diskoeffekt bezeichnet durch die Rotorblätter verursachte periodische Lichtreflexionen. Seit langem werden die Oberflächen der Anlagen mit matten, nicht reflektierenden Lackierungen versehen. Daher spielt der Diskoeffekt bei der Immissionsbewertung durch moderne Windenergieanlagen keine Rolle mehr.

 

FLÄCHENVERBRAUCH einer Windenergieanlage
Der Flächenverbrauch moderner Anlagen liegt bei ca. 3.500 – 4.500 m², wobei der überwiegende Anteil auf die Kranstellfläche entfällt.

 

FLUGSICHERUNGSBEFEUERUNG
Windenergieanlagen mit einer Höhe über 100 Metern sind mit Tag- und Nachtkennzeichungen auszustatten. Während die Kennzeichnung am Tag über farbige Markierungen und / oder weiße Feuer erfolgt, dürfen für die Nachtkennzeichnung in Deutschland ausschließlich rot blinkende Feuer verwendet werden. Um die Lichtemissionen an Windenergieanlagen zu minimieren, können Sichtweitmessgeräte installiert werden, die die Leuchtintensität der Befeuerung in Abhängigkeit von der Sichtweite regulieren. (Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.)

 

GENEHMIGUNG
Die Genehmigungsverfahren und deren Umfang sind abhängig von der Anzahl der zu errichtenden Windenergieanlagen. Jedes Projekt durchläuft vor seiner Realisierung ein ordentliches Genehmigungsverfahren, welches die örtlichen Bedingungen wie Wohnbebauung, Landschaft und die Tierwelt sowie die planungsrechtliche Situation untersucht und berücksichtigt. Die Einhaltung notwendiger Abstände zum Schutz vor zum Beispiel Schallemissionen und Schattenwurf ist ebenfalls fester Bestandteil der Prüfung und wird durch das Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz gesichert (BImSchG). (Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.)

 

GEWERBESTEUER
Das Einkommen aus dem Betrieb von Windenergieanlagen unterliegt der Gewerbesteuer – somit erwirtschaften Windparks stabile Einnahmen auch für die Gemeinden. (Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.)

HAUPTWINDRICHTUNG
Die Hauptwindrichtung ist die zeitlich am häufigsten vorkommende Windrichtung am Standort. In Deutschland ist dies überwiegend "Südwest".

 

KONZENTRATIONSZONE
Kommunen können die Planung von Windenergieanlagen durch Ausweisung geeigneter Flächen, sogenannter Konzentrationszonen in ihren Flächennutzungsplänen steuern.

 

KRANSTELLFLÄCHE
Die Kranstellfläche wird direkt neben dem Fundament der Windenergieanlage, aus verdichtetem wasserdurchlässigem Material erstellt. Durch die Vorbereitung des Bodens wird die Standsicherheit des aufbauenden Krans gewährleistet. Bei modernen Anlagen ist diese Fläche zwischen ca. 2.000 m² und 3.000 m² groß.

 

LANDSCHAFTSBILD
Das Landschaftsbild wird im Rahmen der Genehmigung analysiert und die mögliche Beeinträchtigung über ein Bewertungsverfahren ermittelt. Die errechnete Beeinträchtigung wird dann durch entsprechende Maßnahmen kompensiert (vgl. Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen).

 

NENNLEISTUNG
Die Nennleistung – auch installierte Leistung – ist eine technische Größe, welche die maximal mögliche elektrische Leistung einer Windenergieanlage angibt. Die tatsächlich erreichte Leistung hängt von den Windverhältnissen vor Ort ab.

 

ONSHORE
Onshore bezeichnet die Windenergienutzung im Binnenland. Moderne Windenergieanlagen erreichen mittlerweile Nabenhöhen von bis zu 140 m bei einem Rotordurchmesser von über 100 m. Damit dringen sie in Höhenschichten mit sehr ertragreichen Windströmungen vor und können mit Hilfe der großen Rotoren den Wind effektiv ernten.

 

PACHTEINNAHMEN
Durch Pachtzahlungen können private Landeiegntümer oder Kommunen erheblich an einem Windparkprojekt partizipieren.

 

POTENTIALANALYSE
Bei einer Potentialanalyse oder auch Weißflächenanalyse werden mit Hilfe von Geoinformationssystemen und den länderspezifischen Abstandsregelungen potentielle Flächen für die Windenergie ermittelt.

 

REPOWERING
Das Repowering bezeichnet den Ersatz älterer Windenergieanlagen durch neue, leistungsstärkere und effizientere Anlagen. Die Altanlage lässt sich dann eventuell wiederverkaufen und weiternutzen. Moderne Windenergieanlagen lassen sich zudem fast vollständig recyclen, da sie zum Großteil aus Stahl und anderen wertvollen Metallen bestehen.

 

RÜCKBAU
Eine Windenergieanlage hat eine geplante Einsatzzeit von rund 20 Jahren. Nach Ablauf dieser Zeit muss die Anlage abgebaut, entsorgt und das Grundstück in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. (Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.)

 

SCHALLGUTACHTEN
Bei einer Windenergieanlage gibt es zwei Schallquellen: zum einen die mechanischen Bauteile wie Getriebe und Generator, zum anderen entsteht durch die Bewegung des Rotors aerodynamischer Schall. Beim Bau von Windenergieanlagen müssen im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens umfassende baurechtliche Vorschriften eingehalten werden. Dabei werden z.B. die Schallemissionen geprüft. Grundlage hierfür ist die technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm), in der jeweils konkrete Vorgaben für Geräuschpegel festgelegt sind, die in Wohn-, Misch- oder Gewerbegebieten nicht überschritten werden dürfen. Nach ihnen richtet sich der Abstand der Anlagen zur nächsten Wohnbebauung. Für eine Baugenehmigung ist die Einhaltung dieser Werte durch einen unabhängigen Gutachter nachzuweisen. In einem Abstand von 200 m liegt die Schallbelastung moderne Windenergieanlagen unter Volllast bei 45 db(A). Somit ist hier die Belastung geringer als die Schallbelastung bei einer ruhigen Unterhaltung. (Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.)

 

SCHATTENGUTACHTEN
Abhängig von Wetterbedingungen, Windrichtung, Sonnenstand und Betrieb kann eine Windenergieanlage mit ihren rotierenden Flügeln einen bewegten Schlagschatten werfen. Bei den Berechnungen des Schattenwurfs wird unterschieden zwischen der theoretisch maximal möglichen Einwirkzeit – wobei stets Sonnenschein, eine ungünstige Windrichtung und ein drehender Rotor vorausgesetzt werden – und der realen Einwirkzeit unter örtlich normalen Wetterbedingungen. Die Schattenwürfe der Rotorblätter können für Betroffene unangenehm sein, wenn die Schlagschatten zum Beispiel ständig auf die Fenster eines Wohnhauses treffen. Dieser Aspekt ist gesetzlich geregelt. Die Schattenwurfdauer darf nach Bundes-Immissionsschutzgesetz 30 Minuten täglich und kumuliert 30 Stunden im Jahr nicht überschreiten. Im Genehmigungsverfahren ist durch Gutachten nachzuweisen, dass keine unzulässigen Schattenbelästigungen auftreten. Bei Überschreitungen sind die Windenergieanlagen mit einem speziellen Sensor auszustatten und durch eine Abschaltautomatik anzuhalten. Allerdings stehen in der Regel im „Schattenbereich“ von Windparks keine Wohngebäude. (Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.)

 

VERGÜTUNG
Das im Jahr 2000 geschaffene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist in seiner jetzigen Form seit dem 1. Januar 2012 in Kraft. Es sieht eine feste Einspeisevergütung des durch Windenergieanlagen erzeugten Stroms vor, die der Netzbetreiber an den Anlagenbetreiber zahlen muss. (Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V.)

 EEG 2012: Vergütung für Windenergie an Land


Derzeit wird auf Bund- und Länderebene die zukünftige Ausgestaltung des EEG ab dem Jahr 2015 kontrovers diskutiert. Eine Gesetzesnovelle hat somit unmittelbare Auswirkungen auf die WIrtschaftlichkeit von Windparkprojekten. Wohin die Entwicklung geht ist nicht absehbar. Eines kann jedoch festgehalten werden. Der produzierte Windstrom hat einen enstprechenden Marktwert, der auch zukünftig seine Abnehmer finden wird.

 

VORRANGGEBIETE
Träger der Regionalplanung können die Planung von Windenergieanlagen durch Ausweisung geeigneter Flächen, sogenannter Vorranggebiete in den Regionalplänen steuern.

 

VOLLLASTSTUNDEN
Als Volllaststunden wird die Anzahl der Stunden bezeichnet, in denen die Windenergieanlage mit Nennleistung läuft. Beispiel: Jahresproduktion 6.000.000 kWh/a dividiert durch die Nennleistung der Anlage 3.000 kW = Volllaststunden 3.000 Stunden/a. Damit hängt der Kapazitätsfaktor wie folgt zusammen: Volllaststunden 3.000 Stunden/a dividiert durch 8.760 Stunden/a = Kapazitätsfaktor 34,25 %. Ein guter Wert in Deutschland ist bereits bei einem Kapazitätsfaktor von 25 % erreicht. Anders ausgedrückt: Die Anlage läuft 1/4 des Jahres unter Volllast.

 

WALD
Bis 2020 strebt die Bundesregierung einen Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von mindestens 35 Prozent an. Die Windenergie stellt hierbei einen Grundpfeiler dar. Und es stellt sich zunehmend die Frage, wo die notwendigen Erzeugungskapazitäten aufgebaut werden können. Da moderne Windenergieanlagen mittlerweile Nabenhöhen bis zu 140 m und Rotordurchmesser von über 100 m erreichen, können Höhenschichten mit sehr ertragreichen Windströmungen effektiv genutzt werden. Dies macht Windkraft im Wald möglich und sinnvoll, da mit den hohen Anlagen Turbulenzbereiche über den Baumkronen weit überragt werden.

 

ZUWEGUNG
Für den Aufbau und die Wartung von Windenergieanlagen sind Zuwegungen für Schwerlasttransporte und PKW notwendig. Hierfür wird der Untergrund verdichtet und die Oberfläche geschottert. Die Breite der Zuwegung ist abhängig von der Größe der Anlage und kann bis zu 4,5 m betragen. In Kurven kann sich dieser Wert in Abhängigkeit des Winkels deutlich erhöhen.