EEG-Umlage: Was kostet Windenergie den Verbraucher?

Das Gedächtnis eines Menschen arbeitet nicht immer zuverlässig und auch sein Gefühl mag ihn ab und zu in die Irre führen. Manchmal aber stimmt das Bauchgefühl. Haben Sie sich nicht öfters bei der Aussage ertappt, heutzutage sei alles viel teurer als zu Zeiten der Deutschen Mark?

Nun, dass sich die Lebenshaltung beständig verteuert, ist eine (verzichtbare) Erfahrung, die unser Leben begleitet. Aber wie verhält es sich mit dem Strompreis?

Ein kleiner Blick zurück ins Jahr 2000 hilft. Im Jahr 2000 betrug der durchschnittliche Haushaltsstrompreis knapp 14 Eurocent (siehe Abbildung 1). Zur Finanzierung der Erneuerbaren Energien wurden damals 0,2 Eurocent Umlage zur Förderung von Ökostrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (kurz: EEG-Umlage) erhoben. Heute kostet Haushaltsstrom durchschnittlich 26,4 Eurocent, die EEG-Umlage stieg auf rd. 5,28 Eurocent je Kilowattstunde (siehe Abbildung 1, grüner Balken).

 

Strompreise In Deutschland im Vergleich

Abbildung 1: Strompreise Haushalte, Industrie im Vergleich (Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien)

Was lässt sich aus Abbildung 1 noch entnehmen?

Neben der EEG-Umlage gab es weitere Faktoren, die den Preis für Endverbraucher um weitere 7,12 Eurocent/kWh in die Höhe getrieben haben:

  • gestiegene Ausgaben für fossile Brennstoffe,
  • die Entlastung privilegierter Industriebetriebe zulasten der von der EEG-Umlage nicht befreiten Verbraucher,
  • die geringe Wechselbereitschaft der Kunden zu einem anderen Anbieter,
  • steigende Margen der Stromhandelskonzerne,
  • der Anstieg von Umsatz- und Stromsteuern,
  • der EU-weite Zusammenbruch des Kohlendioxid-Immissionshandels und
  • die Kosten des Netzausbaus.

Um es auf den Punkt zu bringen, der Strompreis steigt NICHT wegen der EEG-Umlage. Richtig hieße es: Der Strompreis steigt nicht nur, sondern auch wegen der EEG-Umlage.

Diese ist allerdings notwendig, um die Energiewende zu finanzieren und um der sich gemäß jüngstem Weltklimabericht anbahnenden Klimakatastrophe Einhalt zu gebieten.

Fasst man alle Kostenfaktoren für den Strompreisanstieg in den Jahren 2003 bis 2013 in vier Hauptgruppen zusammen, so stellt man nach einer Erhebung des Öko-Instituts e.V. fest, dass ca. 35% (44% abzüglich 9% Umlage zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung) auf die Kosten der Energiewende zurückzuführen sind (siehe Abbildung 2).

 

Abbildung 2: Preistreibende Faktoren 2003 bis 2013

Abbildung 2: Preistreibende Faktoren im Zeitablauf 2003-2013 (Quelle: Öko-Institut)

Zwischenfazit:

Wir halten fest, dass entgegen der Behauptungen der Verfechter der sog. Strompreisbremse, die Erneuerbaren Energien seien Hauptpreistreiber, diese lediglich zu EINEM GUTEN DRITTEL zur Preissteigerung der letzten zehn Jahre beigetragen haben. Der Strompreis steigt nicht nur, sondern auch wegen der EEG-Umlage.

Schauen wir uns einmal an, wie sich die EEG-Umlage zusammensetzt (siehe Abbildung 3):

  • Lediglich knapp die Hälfte (49%) fließen direkt an die Betreiber der Erneuerbaren-Energien-Erzeugungsanlagen.

 

Der Rest (51%) ist im Wesentlichen auf den Preisverfall an der Börse (Merit-Oder-Effekt) und die Entlastung von privilegierten Verbrauchern zurückzuführen:

  • Merit-Order-Effekt (19%):

Wind- und Solarstrom verdrängen zunehmend die Produktion teurer Gaskraftwerke im Stromnetz. Billigere Braunkohlekraftwerke setzen ihre Erzeugung zu günstigeren Preisen an der Strombörse ab. Der Börsenpreis verfällt, wodurch sich die Differenz zwischen fixem EEG-Vergütung und sinkendem Börsenpreis vergrößert. Gemäß EEG-Umlagen-Systematik wird das EEG-Umlagenkonto mit diesen Differenzkosten belastet. Der Verbraucher zahlt somit einen Teil der Beschaffungskosten der Stromhandelsgesellschaften. Hier muss die Politik nachbessern!

Die Sonderregelung für die stromintensive Industrie ist gedacht für Unternehmen, welche durch die Kosten des EEG einen unverhältnismäßigen Nachteil im internationalen Handel hinnehmen müssten, die ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Ihnen wird bei Einhaltung bzw. Überschreitung der Begünstigungsschwellen der Beitrag zum EEG begrenzt.

Einflüsse auf die EEG-Umlage

Abbildung 3: Anteil der EEG-Umlage, der bei den EEG-Betreibern ankommt (Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien)

Letztendlich bleibt die Frage, inwiefern die einzelnen Unternehmen wirklich in ihrer Wettbewerbsfähigkeit benachteiligt sind. Sicherlich gibt es einige stromintensive Branchen, in denen Stromkosten aufgrund des Einsatzes bestimmter Verfahren einen Großteil der Produktionskosten darstellen. Trotzdem ist auch hier zu unterscheiden, ob die volle EEG-Umlage einen gefährdenden Nachteil im internationalen Handel mit sich bringen würde oder nicht.

 

Und wie passt die Windenergie in die deutsche Energielandschaft hinein?

Die Windenergie onshore ist und bleibt der Motor der Energiewende. Im Jahr 2012 konnten die Windräder von Flensburg bis Bodensee rund 46,0 Terawattstunden Strom einspeisen und somit einen Anteil von 33,8% an der Erzeugung aller Erneuerbaren Energien (136,1 Terawattstunden) beitragen (siehe Abbildung 4). Mit einem Anteil von knapp 8% an der gesamten deutschen Stromerzeugung ist Windstrom längst kein Nischenprodukt mehr!

 

Entwicklung der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien 1999-2012

Abbildung 4: Die Erneuerbaren auf dem Vormarsch (Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien)

Vergleicht man den Anteil den Solarstrom (20,6%) und Biomasse (30,1%) an der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien im Jahr 2012, kann man erkennen, wie energiestark die Windenergie an Land ist (siehe Abbildung 4, hellblauer Balken).

Stellt man die Kosten der Energieerzeugung von Biomasse und Photovoltaik den Kosten der Stromerzeugung aus Windenergie gegenüber, so zeigt sich, dass die Windenergie zwar den größten Anteil an der Stromerzeugung hält, aber prozentual die geringste Förderung erhält.

Kommen wir zurück zur EEG-Umlage:

Über die EEG-Umlage wurde jeder deutsche Endverbraucher mit 5,28 Eurocent je Kilowattstunde belastet. Welchen Anteil haben denn nun Windenergie, Photovoltaik und Biomasse?

Die Windenergie belastet jeden Bürger lediglich mit 0,496 Eurocent/kWh, was einem Anteil von 13,8% entspricht (siehe Abbildung 5). Die Stromerzeugung aus Biomasse kommt hier auf eine Belastung in Höhe von 0,908 Eurocent/kWh, was einem Anteil von 25,3% entspricht. Für Solarstrom musste jeder Endverbraucher aber 2,016 Eurocent/kWh berappen. Die Erzeugung von Solarstrom belastet die EEG-Umlage mit sage und schreibe 56,1% Ihrer Kosten, was 2,016 Eurocent/kWh entsprechen.

 

Anteil der EE-Erzeuger am Förderkuchen

Abbildung 5: Anteil der EE-Erzeuger am Förderkuchen (Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien)

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass es ein enormes Ungleichgewicht gibt zwischen der Bedeutung der Windenergie für die Versorgung der Bevölkerung und ihrer Förderung durch die EEG-Umlage. Windenergie ist mit Abstand die leistungsstärkste und gleichzeitig kostengünstigste Erzeugungsart! Eine vernünftige Alternative zum weiteren Ausbau der Windenergie ist derzeit nicht in Sicht.

Fazit und Ausblick:

  • Windenergie ist Motor und Lastesel der Energiewende.
  • Windenergie ist die mit Abstand preiswerteste Erzeugungsform unter allen Erneuerbaren-Energien-Trägern.
  • Windenergie leistet den größten Beitrag für die eingespeiste EE-Energiemenge, erhält aber im Vergleich zur Photovoltaik erheblich weniger Fördermittel aus der EEG-Umlage.
  • Preissteigerungen der Vergangenheit, die den Endverbraucher betreffen, sind nur zu einem geringen Teil auf die Windenergie zurückzuführen.

Wir hoffen, ein wenig Licht in das Dickicht der Förderdiskussion um das EEG gebracht zu haben. Für Feedback und Anmerkungen kontaktieren Sie unsere Redaktion unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

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